Projektwelt Newsletter April 2020

Vorwort des Burghauptmanns

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das noch junge Jahr 2020 stellt große Herausforderungen an uns alle. Wie die meisten anderen Organisationen arbeitet das Team der Burghauptmannschaft derzeit von zu Hause. Nur die Projektarbeit geht fast normal weiter, da die Zeit zwischen Meetings ja immer intensiv für Arbeit an den EU-Projektthemen genutzt wird. Allerdings haben die Projektpartner beschlossen, einige geplante Study Visits zu verschieben.

Seit 2014 hat sich die Burghauptmannschaft Österreich an 9 (EU)Projekten beteiligt. In vielen Projekten haben wir die Initiative ergriffen und eingereicht, zu anderen wurden wir als Partner eingeladen. Entstanden ist eine vielfältige Projektwelt, die unsere tägliche Arbeit zeitweise herausfordernd macht, aber immer bereichert.

Wie gesagt, ist es meine Aufgabe als Burghauptmann, bestmöglich für die Erhaltung der uns anvertrauten historischen Gebäude zu sorgen. Dies erreichen wir auch durch das Engagement in (EU-)Projekten wie PRO-Heritage und EHL@N, aber auch durch eigene Initiativen wie The European Heritage Academy, die in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt errichtet wurde.

Alle Projekte dienen nur einem Zweck: die Kompetenz der Burghauptmannschaft als Verantwortlicher für wertvolles österreichisches Kulturgut zu erhalten, zu stärken und im Idealfall auszubauen. Wir werden diesen bisher sehr erfolgreichen Weg überzeugt weitergehen, um noch besser zu werden und unsere MitarbeiterInnen in ihrer täglichen Arbeit und deren Herausforderungen so gut wie irgend möglich zu unterstützen. Die neuen Module aus den laufenden Projekten stehen nach Fertigstellung und Praxistest The European Heritage Academy zur Verfügung und können dann auch gebucht werden. Wir informieren Sie laufend über alle fertig gestellten Teile.

In dieser Ausgabe des Projektwelt Newsletters lesen Sie mehr zu den Projektaktivitäten in den letzten Monaten, sowie den zweiten Teil des Interviews mit Mag. Astrid Huber.

Ich wünsche Ihnen im Namen aller MitarbeiterInnen ein Gesegnetes Osterfest – bleiben Sie gesund, halten Sie durch, damit wir alle stärker als zuvor wieder auf(er)stehen – ganz im wahren Sinn von Ostern!

HR Mag. Reinhold Sahl
Burghauptmann

P.S. Wir bieten Ihnen gerne eine Plattform zum Austauschen und Vernetzen. Unterstützen Sie uns also in unseren Aufgaben, indem Sie uns Ihre Beiträge, Wünsche und Anregungen zukommen lassen unter info@projektwelt-burghauptmannschaft.eu.

HR Mag. Reinhold Sahl

Burghauptmann

Wussten Sie, dass die Burghauptmannschaft Österreich mit der Hofburg Wien den flächenmäßig größten zusammenhängenden Gebäudekomplex in Europa betreut? Das Areal umfasst 240.000 m² Nutzfläche mit 2.600 Räumen, 18 Trakten und 19 Höfen. Es befinden sich hier 16 Museen von Weltrang, mit 69 Sammlungen und insgesamt 12,5 Millionen Büchern und Objekten. Seit 2016 trägt die Hofburg Wien stolz das Europäische Kulturerbesiegel (EHL).

The European Heritage Academy – Worum geht’s?

Basierend auf MODI-FY Elementen agiert die Ende 2017 gegründete The European Heritage Academy als Drehscheibe für die gezielte Weiterbildung von InstandhaltungsmanagerInnen in der Europäischen Union und wird auch 2020 weiter ausgebaut.

Hinter der EHA, wie die Academy kurz genannt wird, stehen die Burghauptmannschaft Österreich und das Bundesdenkmalamt Österreich (BDA) als Träger, die damit auf den Bedarf an Weiterbildung im Bereich Historische Gebäude reagiert haben.

Im folgenden Interview erzählt Mag. Astrid Huber, Leiterin des Informations- und Weiterbildungszentrum (IWBZ) Baudenkmalpflege – Kartause Mauerbach, mehr über ihre Erfahrungen.

Interview Teil II

EHA Kurse werden laufend angeboten und bilden gemeinsam mit e-Learning die Basis für die Zertifizierung durch die ECQA – European Certification and Qualification Association, eine in Österreich ansässige internationale Vereinigung.

Mehr zu The European Heritage Academy finden Sie hier.


Horizon 2020 Projekt PRO-Heritage – erste Ergebnisse

Seit März 2019 läuft das Horizon 2020 Projekt PRO-Heritage zum Thema Erhaltung von traditioneller Handwerkskunst im Kulturerbe-Sektor. Ein wesentliches Ergebnis des Projekts wird ein fundiertes Curriculum für die Weiterbildung von SpezialistInnen im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien für gebautes Kulturerbe sein, das im ersten Entwurf vorliegt.

Die wichtigsten Anliegen von PRO-Heritage sind:

• der Schutz der traditionellen Kompetenzen und Fähigkeiten für das gebaute kulturelle Erbe, die für Energieeffizienz und erneuerbare Energien von Bedeutung sind

• die Notwendigkeit, ausreichend ausgebildete und geschulte Fachkräfte und Handwerker in die „sanfte“ Konservierung, Wartung und laufende Pflege einzubeziehen

• die Notwendigkeit, diese Fachkräfte und Handwerker zu zertifizieren, um ihnen die Anerkennung ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten zu ermöglichen


Zum Projektmeeting und Study Visit traf sich das Projektteam im Jänner in Newcastle, Stirling und Windermere, wo in intensiven Workshops Projektthemen mit lokalen ExpertInnen besprochen und diskutiert wurden. Gastgeber war Culturatrust, einer der britischen Partner in PRO-Heritage, der Dank einer weiterlaufenden  Finanzierung auch nach dem BREXIT Teil des Projekts bleibt. Die historischen Gebäude, die diesmal von den TeilnehmerInnen besucht wurden waren sehr vielfältig – vom Schloss über die Kornmühle bis zu früh-industriellen Bauten reichte der Bogen. Auch ein Trainingsanbieter für traditionelles Handwerk war dabei, wo unter anderem die unterschiedlichsten Werkzeuge aus verschiedenen Epochen präsentiert werden.

Im Zuge des Projektmeetings wurde der erste Entwurf des PRO-Heritage Curriculums abgestimmt. In diesem Curriculum werden die Ergebnisse aus den durchgeführten Bedarfsanalysen und dem Workshop „Energy Efficiency in Historic Buildings – Terminology and Understanding“ in Lernelementen umgesetzt. Weiters werden die Hauptprobleme bei historischen Gebäuden definiert, die mit Energie-Effizienz und Lebenszyklus zu tun haben.


Kulturerbesiegel und EHL@Netzwerk – erste Schritte

Im Oktober 2019 fand das erste Meeting zum EHL@Netzwerk in Brüssel – und wie es sich für ein europäisches Netzwerk gehört, auch gleich Europäische Kulturerbesiegel-Tage – statt. Basierend auf den Ergebnissen der Workshops und dem Projektantrag wurden Ideen identifiziert, die in mehr Details ausgearbeitet wurden. Sie dienen als Grundlage dazu, das Siegel zur starken Marke in Europa aufzubauen.

Seit diesem Meeting wurde auch an mehreren Strategiepapieren gearbeitet; ein ganz wichtiges davon betrifft das Branding von EHL. Während des Meetings in Olmütz am 20. und 21. Februar wurden die Ideen vertieft und in Arbeitspläne verwandelt. Ein wesentlicher Teil des Antrags ist die Markenbildung und dies war auch ein zentrales Thema des Meetings. Um eine starke Marke zu schaffen ist es notwendige einige Dinge zu beachten, z. B. Klarheit über eigene Grundwerte zu gewinnen, gemeinsame Ziele zu haben und einen gemeinsamen Markenauftritt zu schaffen.

Laut der Amerikanischen Marketing Vereinigung ist „eine Marke ein Name, ein Begriff, ein Design, ein Symbol oder ein anderes Merkmal, das die Ware oder Dienstleistung eines Verkäufers von denen anderer Verkäufer unterscheidet“. 

Genau dies ist das Ziel der EHL@N Markenstrategie. Sie zielt darauf ab, Werkzeuge und Methoden zu entwickeln, die die bestehende Marke EHL durch Aktivitäten und Zusammenarbeit aller Standorte stärkt. Wichtig ist dabei gemeinsames Markendesign (Corporate Design) und die konsequente Verwendung der EHL Marke. Beim Erarbeiten der Markenstrategie werden Schlüsselwerte identifiziert und gefördert, die sowohl für die EHL-Standorte als auch für Europa insgesamt bedeutend sind. Sie sind für alle BürgerInnen der Europäischen Union wichtig und bilden eine solide Basis für ein echtes geeintes Europa.

Wir alle kennen Marken wie Porsche, Coca Cola oder Armani: und wir haben sofort Bilder dazu im Kopf. Langfristig soll EHL genau so eine Marke werden und in den Köpfen der Menschen Bilder erschaffen, die die Marke EHL einzigartig und (wieder)erkennbar machen. Mehr zum Projekt EHL@N hier.


Kulturerbesiegel Hofburg Wien – erste Evaluierung

Seit 2016 ist die Hofburg Wien Trägerin des Europäischen Kulturerbesiegels (EHL). Das gesamte „Hofburg-Areal“ – basierend auf der Zuständigkeit des Hofbauamts – wird begrenzt durch die Albertina in der Augustinerstrasse, der Stallburg in der Stallburggasse, dem Bundeskanzleramt am Ballhausplatz, dem Burgtheater am Universitätsring, den Hofstallungen (heute das Museumsquartier) und der Staatsoper am Opernring.

Der Eigentümer des Gebäudekomplexes Hofburg ist die Republik Österreich, vertreten durch die Burghauptmannschaft Österreich. Diese Einrichtung ist eine nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und nimmt die gesamten Aufgaben des Eigentümers wahr (Instandhaltung, Vermietung, Betriebskostenabrechnung).

Als größter zusammenhängender historischer Gebäudekomplex in Europa hat die Hofburg Wien über die Jahrhunderte in vielen politischen Entscheidungen eine Rolle gespielt: So zum Beispiel als Wohn- und Regierungssitz von Karl V. in dessen Reich die Sonne nie unterging, von Maria Theresia als erster weiblicher Regentin Österreichs, ermöglicht durch die Pragmatische Sanktion (1713), oder als Veranstaltungsort des Wiener Kongresses 1814/15 – Sie wissen schon, das war der, der tanzte… Auf Grund dieser Ereignisse, die auch großen Einfluss auf ganz Europa hatten, wurde der Hofburg Wien das Europäische Kulturerbesiegel verliehen. Allerdings darf sich ein/e TrägerIn auf dieser Verleihung nicht ausruhen. Denn nach fünf Jahren wird spätestens eine Evaluierung der im Antrag zum Siegel zugesagten Aktivitäten durchgeführt. In diesem „Monitoring“ wird alles geprüft und entschieden, ob die Verleihung aufrecht bleibt. Im Februar wurden alle Unterlagen für diesen Vorgang vorbereitet um sie den „PrüferInnen“ vorlegen zu können.

Natürlich sind noch einige weitere Schritte für die Kulturerbesiegel-Trägerin Hofburg Wien geplant. Ein wesentliches Element stellt der gemeinsame Außenauftritt der Hofburg Wien dar. Denn bisher gab es so etwas nicht! Ein erster Schritt in diese Richtung stellt das gemeinsame Info-Zentrum der Hofburg Wien dar, das im Jahr 2018 eröffnet wurde.

Dennoch, wenn Sie stichprobenartig einige der durch die Hofburg Wien spazierenden Menschen fragen würden, was alles zum Hofburg Areal gehört, wären Sie sicher erstaunt. Denn den wenigsten ist bewusst, dass die Hofburg Wien von der Albertina bis zum Museumsquartier und dem Bundeskanzleramt reicht.

Deshalb wird momentan mit Hochdruck an einer gemeinsamen Website für das gesamte Hofburgareal gearbeitet. Einen ersten Blick können Sie im Mai 2020 auf diese Website werfen.

Mehr zu EHL und der neuen Hofburg Wien Website gibt es im nächsten Newsletter.


COL – erste Hälfte geschafft

Seit Jul 2018 ist die Burghauptmannschaft auch strategische Partnerin im Projekt COL gefördert im Interreg Programm Tschechien-Österreich.

Ziel des Projekts ist es, ein Zentrum für die Erneuerung des Gemeinsamen Kulturerbes (COL) einzurichten.

Diese Einrichtung befasst sich systematisch mit der nachhaltigen Erhaltung historischer Gebäude, Gebiete und Orte und entwickelt eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Bewusstseinsbildung und Förderung von gemeinsamem kulturellem Erbe.
Ein Hauptergebnis des COL-Projekts werden zwei beispielhafte revitalisierte Denkmäler auf beiden Seiten der Grenze sein, die dem Fach- und Laienpublikum zur Verfügung stehen: Die sogenannte Alte Schule im Louka-Kloster in Znaim und ein Getreidespeicher in Retz, ein typisches Denkmal von lokaler Bedeutung. Beide Gebäude ermöglichen Konferenzen, Ausstellungen, Führungen, Informations-, Kultur- und Bildungsaktivitäten. Auf diese Weise werden die Fachkenntnisse und Empfehlungen von COL der Öffentlichkeit vermittelt.

Mehr zum Projekt COL finden Sie hier.


Blitzlicht – Besucherzentrum Hofburg Wien

Im Jahr 2018 wurde das neue Hofburg Wien Info-Zentrum eröffnet. Auf 160 m² finden BesucherInnen jetzt konzentrierte Informationen zur Hofburg Wien, dem Gebäudekomplex an sich, den Grünflächen, Denkmälern, Museen und der dort heimischen Tier- und Pflanzenwelt. So sind sowohl das Schmetterlingshaus, wie auch Spanische Hofreitschule Teil der Hofburg Wien. Um einen Überblick über das reiche kulturelle Angebot des Hofburg Wien Areals zu gewinnen, sollten Sie sich das neue Infozentrum unbedingt ansehen – als Einheimische/r genauso, wie als „Zuagroaste/r“!

Sie finden mehr zum Info-Zentrum hier.


Aktuelle EHA Kurstermine:
Auf Grund der aktuellen Situation werden derzeit keine Kurstermine angeboten. Eine Übersicht der Herbsttermine finden Sie in der nächsten Ausgabe des Projektwelt Newsletters (Juni 2020).
Für spezielle Themen wird es Webinare geben, die derzeit vorbereitet werden. Ein Sonder-Newsletter wird darüber informieren.

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12. Oktober 2021
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